Entpflichtung & Entspannung

 

Einmal durchatmen, bitte! In einer Welt, die sich ständig zu drehen scheint – oft schneller, als es uns guttut – ist es wichtiger denn je, auf die Bremse zu treten. Entpflichtung und Entspannung sind dabei keine Luxusgüter, sondern essenzielle Bestandteile eines gesunden Lebensstils. Der Körper spricht eine klare Sprache – wir müssen nur lernen, wieder zuzuhören.

Denn: Entpflichtung heißt nicht Rückzug – sondern bewusste Hinwendung zu sich selbst.

EIN BEITRAG VON: 

DR. MARTIN KRIZMANITS
Stv. Ärztliche Leitung - Marienkron

Kann man Belastung messen?

Jeder Mensch reagiert anders auf Stress. Während die einen scheinbar mühelos durch hektische Zeiten segeln, fühlen sich andere schnell überfordert. Doch wie lässt sich diese Belastung objektiv messen?

Ein spannender Indikator ist die Herzratenvariabilität (HRV). Anders als bei einem streng rhythmischen Herzschlag – wie beim Metronom – sind kleine Abweichungen zwischen den Herzschlägen ein gutes Zeichen: Sie zeigen, dass unser vegetatives Nervensystem flexibel auf Reize reagiert. Besonders der Vagusnerv, zuständig für Ruhe und Erholung, spielt hier eine zentrale Rolle. Interessanterweise kann auch die mediterrane Ernährung die HRV positiv beeinflussen.

Unsere TherapeutInnen messen außerdem die HRV um in Zusammenschau mit weiteren Parametern ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm für unsere Gäste zu erstellen.

Pausen, die wirklich guttun! 

Wir alle kennen sie – die kleinen "Belohnungen" im Alltag: die Naschlade, die Zigarette, das Glas Rotwein. Kurzfristig beruhigend, langfristig oft belastend. Was uns stattdessen fehlt, ist eine Kultur echter Pausen.

Schon wenige Minuten Achtsamkeit können spürbar entlasten – ob durch Progressive Muskelentspannung, Qi Gong oder einfache Atemübungen. Richtig eingesetzt, haben selbst kurze Einheiten eine enorme Wirkung auf unser Stressempfinden. 

(TIPP von Stefanie OSWALD, unsere Expertin für Bewegungs- und Achtsamkeitstherapien: „Ob still, bewegt, kreativ oder achtsam – Meditation hat für jeden Menschen die passende Form und schenkt Wohlbefinden auf individuelle Weise“)

Achtsam essen – Genuss mit Mehrwert 

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist eine Chance zur Achtsamkeit – jeden Tag. Wer bewusst isst, genießt nicht nur intensiver, sondern tut auch der Verdauung und dem ganzen Körper etwas Gutes.

Probieren Sie’s aus:

  • Kauen Sie bewusst – bis zu 40 Mal pro Bissen
  • Essen Sie in ruhiger Umgebung, ohne Ablenkung
  • Lassen Sie das Handy weg, schalten Sie den Fernseher aus

Der Effekt? Der Magen-Darm-Trakt wird entlastet, die Organe besser durchblutet, und der Körper schüttet sogar vermehrt GLP-1 aus – ein Hormon, das auch in modernen Abnehmspritzen verwendet wird.

EXPERTENTIPP von Anna LESNJAKOVIC, Leitende Diätologin und Ernährungswissenschafterin:

"Besonders empfehlenswert bei Gewichtsreduktion oder Magen-Darm-Beschwerden:
Langsames Essen mit ausreichendem Kauen fördert das Sättigungsgefühl, entlastet den Verdauungstrakt und unterstützt langfristig das Wohlbefinden."
 

Einmal Rundumservice bitte! 

Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn erfinden: den Schlaf. Während wir ruhen, laufen im Körper essenzielle Prozesse ab: das Immunsystem sowie Heilungsprozesse werden gefördert, das Gehirn sortiert Eindrücke und speichert Erinnerungen, Abfallstoffe werden aus dem Nervensystem abtransportiert.

Nicht erholsamer Schlaf hingegen fördert nicht nur Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme, sondern auch Gewichtszunahme und Stoffwechselprobleme.

Doch - wie viel Schlaf ist genug?

Der renommierte Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß, gibt in seinem herausragenden Buch „Schlaf wirkt Wunder“ folgende Antwort:

"Wenn Sie sich tagsüber wach und konzentriert fühlen, emotional ausgeglichen sind und nicht gegen Müdigkeit ankämpfen müssen, war Ihr Schlaf ausreichend."

Da die individuelle Schlafdauer größtenteils genetisch bedingt ist und zudem vom Alter abhängt, ist es sinnvoller, auf die Qualität des Tages und des Schlafs zu achten, statt pauschale Stundenempfehlungen zu geben.

Wenn Grübeln den Schlaf raubt: Schaffen Sie eine schlaffördernde Umgebung und erlernen Sie Techniken, um das Gedankenkarussell vor dem Einschlafen zu stoppen – unser Team aus erfahrenen Psychologinnen unterstützt Sie dabei gerne.

Grüne Räume – Shinrin Yoku! 

Die Natur tut uns gut – auf allen Ebenen! Ob wir vom Shinrin Yoku, der japanischen Art des Waldbadens, sprechen, von Therapiegärten oder von der Entdeckung vor einigen Jahrzehnten, dass PatientInnen nach Operationen weniger Schmerzmittel benötigten, wenn sie Bäume aus dem Krankenhausfenster sehen konnten – all das zeigt: Natur heilt.

Erst kürzlich wurde an der Medizinischen Universität Wien eine Studie zum Thema Stress und Aufenthalt im Wald durchgeführt. Das Ergebnis ist erstaunlich: Bereits 20 Minuten im Wald senken den Cortisolspiegel – also einen Stressmarker – um rund 50 %. Kein medizinisches Gerät schafft das!

Also: Raus ins Grüne – so oft es geht!